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02 nationalteam 24 stdDas Ultrajahr 2017 – Rückblick durch die deutsche Brille

Auch wenn bereits einige Rennen im neuen Jahr gelaufen und einige Duftmarken gesetzt worden sind, möchte ich wieder, wie Anfang letzten Jahres, das vergangene Ultralaufjahr kurz bilanzieren – hauptsächlich aus deutscher Sicht. Insgesamt war es ein gutes Jahr für die deutsche Ultralaufszene, kam aber nicht ganz an das herausragende Jahr 2016 heran.
Rein quantitativ hat sich der positive Trend bei der Anzahl der Deutschen, die in einem Jahr mindestens einen Ultrawettkampf laufen, fortgesetzt: 2017 waren es gut 3% mehr als 2016, als erstmals die Schallmauer von 10 000 deutschen Menschen mit mindestens 1 absolviertem Ultralauf in dem betreffenden Jahr durchbrochen wurde. Diese Zahl ist damit zwar etwas langsamer gestiegen als in den Vorjahren, aber das ist immer noch deutlich besser als die Stagnation bzw. der leichte Rückgang bei anderen Laufdisziplinen. Sehr erfreulich ist die Steigerung der angebotenen offiziellen Ultraläufe um ca. 15 % gegenüber dem Vorjahr; das bedeutet natürlich andererseits auch, dass die inzwischen über 250 in Deutschland veranstalteten Ultrawettkämpfe zunehmend um Starter konkurrieren müssen. Dennoch können wir Liebhaber der langen Läufe uns nur freuen und dankbar sein, dass immer mehr Veranstalter Wettkämpfe über diverse Ultradisziplinen anbieten.

 

Beim Spitzensport kann man die Jahresweltbestlisten durchforsten, um die Leistungen deutscher Ultras international einzuordnen. Für 2017 registrieren wir insgesamt 3 Weltjahresbestleistungen durch deutsche Athletinnen (gegenüber 4 in 2016), eine davon durch die erneute DUV-Sportlerin des Jahres Nele Alder-Baerens im 6h-Lauf (2016), einmal Platz 2 (Nele über 100 km) und weitere Top10-Platzierungen über 50 und 100km, im 6h- und 24h-Lauf: überall tauchen auch in 2017 wiederum mindestens eine deutsche Frau oder ein deutscher Mann in den Top 10 der Welt auf. Das würden wir uns bzw. der DLV sich auch in den olympischen Laufdisziplinen wünschen!
Bei den seltener gelaufenen 48h- bzw. 6-Tage-Läufen haben wir mit Julia Fatton im 48h-Lauf mit 378,082 km und Silke Gielen im 6-Tage-Lauf mit 782,336 km zwei weitere Weltjahresbeste 2017 zu feiern, ausserdem weitere Top 10-Platzierungen – fast könnte man meinen, je länger, desto lieber bzw. relativ besser werden deutsche Athletinnen und Athleten im globalen Vergleich. Der Inhaber des deutschen 24h-Rekords, Wolfgang Schwerk, sagte mir beim gemeinsamen Rundendrehen während des 6/24h-Laufs in Bottrop: „Erst die Mehrtagesläufe sind doch wirkliche Ultraläufe, alles bis 24h ist ja eigentlich nur Sprint“…
Unter diesem Link könnt Ihr Euch über die Filterfunktion oben durch die Weltjahresbestenlisten der verschiedenen Disziplinen durchklicken.

Bei nur 2 internationalen Meisterschaften in 2017 gab es eine Bronzemedaille für das überragend laufende und kämpfende Frauenteam bei der 24h-WM. Ausserdem drei Top 10-Einzelplatzierungen bei der 24h-WM durch Antje Krause, Julia Fatton und Florian Reus sowie einen Top 10-Platz durch Elisabeth Fladerer bei der Ultratrail-WM (Janosch Kowalczyk dort nur um 11 sec geschlagen auf Platz 11). Damit haben unsere Top-Athleten die internationale Konkurrenzfähigkeit der deutschen Ultras auch bei den beiden internationalen Meisterschaften 2017 wieder unter Beweis gestellt.

Drei neue deutsche Rekorde wurden in 2017 aufgestellt (2 in 2016): durch Nele Alder-Baerens im 6h-Lauf (sogar Weltrekord) sowie Julia Fatton im 48h- und Silke Gielen im 6-Tage-Lauf (jeweils AK-Weltbestleistung); neue AK-Rekorde wurden 2017 in allen Disziplinen von 50 und 100km, 6h, 12h, 24h, 48h und 6 Tagen erzielt. Eine weitere Bestzeit für Deutsche erzielte Antje Krause beim Spartathlon mit ihrer Steigerung auf 28:13:57 h. Die beiden weiteren neuen AK-Weltrekordler im 6h-Lauf, Hannelore Horst in der W 65 und Theo Soboll in der M80, wurden als DUV-Seniorensportler des Jahres gewählt.

Die Deutschen Meisterschaften in den Ultradisziplinen verzeichneten sowohl reges Teilnehmerinteresse als auch eine grosse Leistungsdichte – mit der Ausnahme der 100km-DM in Berlin, die wohl durch die behördlich bedingten Terminverschiebungen/-unsicherheiten deutlich kleinere Teilnehmerzahlen als erwartet hinnehmen musste und bis auf die international hervorragenden Siegerzeiten bei Frauen wie Männern mit keiner grossen Leistungsdichte aufwarten konnte. Nur jeweils 3 M/W stehen mit ihrer 100km-Zeit von Berlin in den Top 10 der deutschen Jahresbestenlisten, dagegen z.B. 5 M und sogar 8 W im Fall der 6h-DUV-DM oder 6 M und 2 W der 24h-DUV-DM. Trotz der Höhenmeter-reichen 50km-Strecke in Schwäbisch-Gmünd haben es die beiden Sieger dieser DUV-DM auch in die Top 10 geschafft.
Auch hier könnt Ihr Euch über die Filterfunktion wieder durch die verschiedenen Disziplinen durchklicken.

Ob die Fördermassnahmen der DUV, z.B. die Einführung der Ultramarathon-Bundesliga als „Aufsetz-Wettbewerb“ zu den 5 Ultra-DMs einen Einfluss auf die Trends in der Breite wie der Spitze der deutschen Ultralaufszene haben, wird in der DUV immer spezifischer diskutiert. So ist durch vergleichende Analyse der letzten Jahre deutlich geworden, dass mit dem aktuellen Modus des DUV-Cups ganz überwiegend nur „zufällige“ Teilnehmer in diese Wertung geraten; nur wenige scheinen gezielt zu solchen Cup-Läufen zu gehen, weil diese in dem betreffenden Jahr im Cup-Portfolio sind – das Gros der Ultras läuft dort, wo es für sie passt, wo sie schon immer gelaufen sind oder schon immer mal hin wollten, egal ob DUV-Cup-Lauf oder nicht. Allein der drastische Rückgang der Anzahl Ultras in der Cup-Wertung 2017 zu 2016 zeigt hier bereits Veränderungsbedarf im Cup-Modus auf.
Alles in allem fällt die sportliche Bilanz des Jahres 2017 aus deutscher Ultrabrille positiv aus. Mit den Jahresweltbestleistungen, der WM-Medaille des 24h-Frauen-Teams und z.B. auch der neuen Spartathlon-Bestleistung haben besonders die Leistungen der Frauen in 2017 imponiert. Das gilt auch international: Die auffallendste Entwicklung weltweit ist die großartige Steigerung der Top-Leistungen im 24h-Lauf der Frauen. Gleich 4 Frauen haben 2017 mehr als 250 km geschafft – in der Vergangenheit hatte diese Grenze nur sporadisch höchstens eine pro Jahr geschafft. Der Weltrekord wurde von der Polin Patrycja Bereznowska innerhalb kurzer Zeit gleich zweimal verbessert und steht jetzt bei knapp 260 km. Spannend, ob hier doch die Faustregel vom 10%igen Leistungsunterschied gegenüber den Männern widerlegt wird!

Dr. Norbert Madry

 

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